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Kaltverfahren vs. Kochen: Ein Vergleich der Seifenherstellungsverfahren

Kurz gesagt: Das Kaltverfahren (Cold Process) und das Kochverfahren (Heißverfahren) sind die beiden grundlegenden Verseifungsverfahren, die bei der Seifenherstellung zum Einsatz kommen. Beim Kaltverfahren werden die Fette bei Temperaturen zwischen 27 und 50 °C mit Alkali vermischt, und die Verseifung wird in der Form abgeschlossen; beim Kochverfahren hingegen wird die Mischung auf 80–100 °C erhitzt, und die Verseifung wird im Kessel vollendet. Bei beiden Verfahren ist die chemische Reaktion dieselbe – der Unterschied liegt in der Temperatur, der Dauer und den Eigenschaften des Endprodukts.

Das Kaltverfahren (Cold Process) und das Kochverfahren (Heißverfahren) sind die beiden am häufigsten verwendeten Techniken bei der Seifenherstellung. Beide basieren auf der Verseifungsreaktion, bei der Fette mit Natriumhydroxid (NaOH) reagieren und Seife sowie Glycerin bilden. Die Unterschiede zwischen diesen beiden Verfahren – sowie deren jeweilige Vor- und Nachteile – ermöglichen eine fundierte Entscheidung bei der Auswahl von Naturseife.

Dieser Artikel ist keine Produktwerbung. Ziel ist es, den wissenschaftlichen Rahmen der Seifenherstellungsverfahren darzustellen. Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen beinhalten keinerlei Heilversprechen.

Verseifung: Die gemeinsame chemische Grundlage beider Verfahren

Bei der Verseifung (Saponifikation) reagieren Fette mit Triglyceridstruktur mit einer starken Base (NaOH oder KOH) und bilden Fettsäuresalze (Seife) sowie Glycerin. Vereinfacht ausgedrückt lautet die chemische Gleichung:

Triglycerid + NaOH → Seife (Fettsäure-Na-Salz) + Glycerin

Diese Reaktion ist exotherm, d. h., sie setzt von selbst Wärme frei. Während bei der Kaltverseifung diese interne Wärme als ausreichend für die Verseifung angesehen wird, wird die Reaktion bei der Heißverseifung durch eine externe Wärmequelle beschleunigt (Spitz, 2016).

Jedes bei der Seifenherstellung verwendete Öl hat einen eigenen Verseifungswert (SAP-Wert). Dieser Wert gibt die zur vollständigen Verseifung von 1 Gramm Öl erforderliche NaOH-Menge in Milligramm an. So beträgt beispielsweise der SAP-Wert von Olivenöl etwa 0,1345, während der SAP-Wert von Kokosöl bei 0,1910 liegt.

Was ist das Kaltverfahren (Cold Process)?

Bei der Seifenherstellung nach dem Kaltverfahren werden die Öle in der Regel im Temperaturbereich von 27–50 °C mit einer Laugenlösung vermischt. Sobald die Mischung eine puddingartige Konsistenz erreicht hat, die als „Trace“ bezeichnet wird, wird sie in Formen gegossen. Die Verseifungsreaktion läuft in der Form bei Raumtemperatur 24–48 Stunden lang ab (Typology, 2024).

Reifungsprozess

Die aus den Formen entnommenen Seifen werden 4–6 Wochen lang an einem kühlen und schattigen Ort reifen gelassen. Während dieser Zeit finden zwei entscheidende Prozesse statt: Durch die Verdunstung des Wassers härtet die Seife aus und der pH-Wert gleicht sich aus. Seife, die vor Abschluss der Reifung verwendet wird, kann Hautreizungen verursachen, da noch nicht reagierte Alkalireste vorhanden sein können.

Vorteile der Kaltverseifung

Da der Prozess bei niedriger Temperatur abläuft, bleiben die ungesättigten Fettsäuren in den Ölen erhalten. In einer 2018 in der Fachzeitschrift „Foods“ veröffentlichten Studie wurde festgestellt, dass in durch Kaltverseifung hergestellten Seifen Oleinsäure (C18:1), Linolsäure (C18:2) und α-Linolensäure (C18:3) zu 60–100 % vor der Verseifung geschützt waren (Prieto Vidal et al., 2018). Dies verleiht der Seife natürliche feuchtigkeitsspendende Eigenschaften.

Zudem bewahrt das Kaltverfahren den Duftcharakter der ätherischen Öle besser. Da die nach der Trace-Phase zugesetzten ätherischen Öle keiner hohen Hitze ausgesetzt sind, bleibt der Verdunstungsverlust minimal.

Einschränkungen des Kaltverfahrens

Die auffälligste Einschränkung ist die erforderliche Reifezeit von 4–6 Wochen. Zudem ist die Kontrolle der Überfettung im Vergleich zum Kochverfahren weniger präzise – da sich im Voraus nicht vorhersagen lässt, welche der überfettenden Öle während der Verseifung in die Reaktion eintreten werden.

Was ist das Kochverfahren (Heißverfahren)?

Die Kochmethode ist eine traditionelle Seifenherstellungstechnik, die in Anatolien seit Jahrhunderten angewendet wird. Die Öle werden in großen Kesseln mit NaOH und Wasser vermischt und bei 80–100 °C unter ständigem Rühren gekocht. Die Verseifung vollzieht sich im Kessel – die Seife trennt sich von der Lösung und steigt an die Oberfläche.

Die Olivenölproduktionszentren in Nizip (Gaziantep), Antakya und der Ägäisregion sind die traditionsreichsten Vertreter dieser Methode. Nizip-Seife erhielt 2013 eine geschützte geografische Angabe und wird mit einer Jahresproduktion von etwa 50.000 Tonnen in 25 Länder exportiert.

Modernes Heißverfahren (Hot Process)

Im Gegensatz zum traditionellen Kochen wird bei der modernen Heißverfahren-Methode (Hot Process) die Seifenmasse unter Verwendung eines Slow Cookers oder einer Doppelkesselanlage 1–2 Stunden lang bei 60–70 °C gekocht. Bei diesem Verfahren ist die Temperatur niedriger als beim traditionellen Kochen, jedoch deutlich höher als beim Kaltverfahren.

Vorteile des Kochverfahrens

Da die Verseifung im Kessel oder im Slow Cooker abgeschlossen wird, ist die Seife theoretisch sofort nach dem Entformen gebrauchsfertig. In der Praxis wird jedoch eine zusätzliche Reifezeit von 1–2 Wochen empfohlen, damit die Seife aushärten und das Wasser verdunsten kann. Da die Überfettungsöle nach Abschluss der Verseifung hinzugefügt werden können, lässt sich steuern, welche Öle nicht verseift werden – dies bietet Vorteile hinsichtlich des angestrebten Feuchtigkeitsprofils.

Einschränkungen des Kochverfahrens

Hohe Temperaturen können zum Verlust hitzeempfindlicher Bestandteile (insbesondere der flüchtigen Terpenverbindungen in ätherischen Ölen) führen. Da die Seifenmasse eine dunkle und dickflüssige Konsistenz aufweist, ist es beim Gießen in die Form schwierig, feine Details und dekorative Muster (mehrschichtige Güsse, Marmorierung) zu erzielen. Die Oberfläche des Endprodukts wirkt in der Regel rau und „rustikal“.

Vergleich: Kaltverfahren vs. Kochverfahren

KriteriumKaltverfahrenKochen / Heißverfahren
Temperatur27–50 °C60–100 °C
Ort der VerseifungIn der FormIm Kessel / im Kocher
Reifungszeit4–6 Wochen0–2 Wochen
GlycerinBleibt in der Seife zurückKann bei der traditionellen Seifenherstellung durch Waschen entfernt werden; bleibt bei der modernen HP-Methode erhalten
Erhaltung der ätherischen ÖleHochNiedrig bis mittel
Kontrolle der ÜberfettungIn der GesamtmischungGezielt (nachträgliche Zugabe)
OberflächenaussehenGlatt, glänzendRau, rustikal
Erhalt der ungesättigten Fettsäuren60–100 % (Prieto Vidal et al., 2018)Geringer (Wärmeabbau)

Was geschieht während des Reifungsprozesses?

Die Reifung (Curing) ist ein entscheidender Schritt, der die Qualität der Seife bestimmt, und gilt für beide Verfahren – ist jedoch beim Kaltverfahren wesentlich länger und ausschlaggebender.

pH-Wert-Veränderung

Der pH-Wert von frisch gegossener Seife nach dem Kaltverfahren liegt im Bereich von 12–14 (stark basisch). Während der Reifung wird die Verseifung abgeschlossen und die freie Lauge abgebaut; der pH-Wert der ausgereiften Seife sinkt in der Regel auf einen Wert im Bereich von 9–10. Dieser Wert liegt zwar über dem natürlichen Säureschutzmantel der Haut (pH ~5,5), gilt jedoch für kurzzeitigen Kontakt als unbedenklich – er wird durch Abspülen entfernt.

Kristallstruktur und Aushärtung

Während der Reifung ordnen sich die Seifenmoleküle zu regelmäßigen Kristallstrukturen (lamellaren Phasen) an. Durch die Verdunstung des Wassers verdichtet sich der Seifenblock und härtet aus. Ein härterer Seifenblock schmilzt langsamer, ist länger haltbar und erzeugt einen dichteren Schaum. Daher ist die Mindestaushärtungszeit von vier Wochen entscheidend für die Leistungsfähigkeit der Seife.

Was sollten Verbraucher wissen?

Dass eine Seife „natürlich“ ist, ist für sich genommen kein Qualitätsmerkmal. Das Herstellungsverfahren bestimmt maßgeblich die Wirkung der Seife auf die Haut. Zu beachtende Punkte:

Glycerin-Gehalt: Das Vorhandensein von Bezeichnungen für verseifte Öle wie „Glycerin“ oder „Sodium Olivate“ auf dem Etikett deutet darauf hin, dass natürliches Glycerin in der Seife erhalten geblieben ist. Bei industriellen Verseifungsprodukten wie „Sodium Tallowate“ wird das Glycerin in der Regel entfernt.

Angaben zur Reifezeit: Seriöse Hersteller, die das Kaltverfahren anwenden, geben die Reifezeit an. Angaben wie „mindestens 45 Tage“ oder „6 Wochen“ sind ein Zeichen dafür, dass der Hersteller die Seifenherstellung chemisch beherrscht und Qualitätsstandards einhält.

INCI-Liste: Gemäß der EU-Kosmetikverordnung (EC/1223/2009) müssen alle Kosmetikprodukte – einschließlich Seifen – eine Liste der „INCI“ (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) enthalten. Diese Liste führt die Inhaltsstoffe des Produkts in absteigender Reihenfolge ihrer Konzentration auf. Ausführliche Informationen zum Lesen der INCI-Liste (INCI) finden Sie im Leitfaden unter ChaileapediaINCI.

Warum bevorzugt Chailea das Kaltverfahren?

Alle festen Seifen von Chailea werden im Kaltverfahren hergestellt. Hinter dieser Entscheidung stehen mehrere grundlegende chemische Gründe: Chailea Die bioaktiven Bestandteile der in den Rezepturen verwendeten ätherischen Öle wie Johanniskrautöl, Teebaumöl und Lavendelöl sollen geschützt werden, das natürliche Glycerin soll in der Seife erhalten bleiben und während der 45-tägigen Reifezeit soll die Kristallstruktur vollständig ausreifen.

Jede Seifenform reift mindestens 45 Tage lang. Während dieser Zeit sinkt der pH-Wert, die Form härtet aus und die Seife entwickelt ihren charakteristischen Duft, ihre Textur und ihre Schaumeigenschaften. Beispiele für diese Rezepturen sind die im Kaltverfahren hergestellte Teebaumseife und die Aktivkohle-Seife.

Das Thema Glycerin: Warum ist es wichtig?

Bei der Verseifungsreaktion entsteht neben der Seife auf natürliche Weise Glycerin (Glycerol). Glycerin ist ein starkes Feuchthaltemittel – es zieht Feuchtigkeit aus der Umgebung an und unterstützt so die Feuchtigkeitsversorgung der obersten Hautschicht (Stratum corneum).

Bei der Kaltverseifung verbleibt das Glycerin im Seifenblock und wird Teil des Endprodukts. Bei traditionellen industriellen Kochverfahren hingegen wird das Glycerin während der Auslaugung (Salting-out) in eine Salzlösung überführt und als separates Produkt verkauft – dies ist einer der Gründe, warum sich industrielle Seifen oft trockener anfühlen.

Beim modernen Heißverfahren (HP) entfällt die Auswaschphase, sodass das Glycerin auch bei diesem Verfahren in der Seife verbleibt. Der Unterschied besteht zwischen dem traditionellen Kochverfahren und dem modernen HP-Verfahren – hier liegt der Ursprung der terminologischen Verwirrung.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Seife nach dem Kaltverfahren?

Das Kaltverfahren (Cold Process) ist ein Herstellungsverfahren, bei dem Öle bei niedrigen Temperaturen von 27–50 °C mit Natriumhydroxid (NaOH) vermischt werden, sodass die Verseifungsreaktion in der Form vollständig abläuft. Die Verseifung erfolgt innerhalb von 24–48 Stunden, doch bis die Seife gebrauchsfertig ist, ist eine Reifezeit von 4–6 Wochen erforderlich.

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen dem Kochverfahren und dem Kaltverfahren?

Der grundlegendste Unterschied liegt in der Temperatur und dem Ort, an dem die Verseifung abgeschlossen wird. Beim Kaltverfahren erfolgt die Verseifung in der Form, beim Kochverfahren hingegen in einem Kessel oder Kochgerät. Dieser Unterschied wirkt sich direkt auf die Reifezeit, die Oberflächenstruktur und den Erhaltungsgrad der hitzeempfindlichen Bestandteile aus.

Warum ist Glycerin in der Seife wichtig?

Glycerin ist ein Feuchthaltemittel, das während der Verseifung auf natürliche Weise entsteht. Es hilft, die Feuchtigkeit der Haut zu bewahren. Bei der Kaltverseifung verbleibt das Glycerin in der Seife; bei der traditionellen industriellen Heißverseifung kann es hingegen durch Waschen mit Salzwasser entfernt werden.

Warum muss Seife, die im Kaltverfahren hergestellt wurde, 4–6 Wochen ruhen?

Während der Reifezeit finden zwei grundlegende Prozesse statt: Durch die Verdunstung des überschüssigen Wassers in der Seife härtet die Form aus, und die Verseifung wird vollständig abgeschlossen, sodass der pH-Wert auf ein für die Verwendung geeignetes Niveau sinkt. Wird die Reifezeit übersprungen, kann die Seife sowohl weich als auch potenziell reizend sein.

Historische Perspektive: Von Anatolien in die Welt

Die Geschichte der Seifenherstellung lässt sich bis zu babylonischen Tontafeln aus dem Jahr 2800 v. Chr. zurückverfolgen. Das Verständnis der Verseifungschemie im modernen Sinne wurde jedoch erst im 19. Jahrhundert durch Michel Eugène Chevreuls Arbeiten über Fettsäuren ermöglicht. Chevreul entschlüsselte die Struktur der Triglyceride und legte damit die wissenschaftlichen Grundlagen der Verseifungsreaktion dar.

In Anatolien wird Seife seit Jahrhunderten im Kochverfahren hergestellt. Die Lorbeerseife aus Antakya, die Olivenölseife aus Nizip und die Seife aus Gaziantep sind lebendige Beispiele dieser Tradition. Diese Seifen werden in großen Kupfer- oder Stahlkesseln über einem Holzfeuer unter Zugabe von Lauge (NaOH) und Salz gekocht. Nach dem Kochen wird die Seifenmasse im Freien ausgebreitet, unter natürlichen Bedingungen gefrieren gelassen und anschließend 3–6 Monate lang kuppelförmig gestapelt, um zu reifen.

Das Kaltverfahren hingegen gewann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts an Popularität, insbesondere mit dem Aufkommen der handwerklichen Seifenbewegung in Nordamerika und Europa. Heute bevorzugt die große Mehrheit der Boutique-Seifenhersteller weltweit das Kaltverfahren – der Hauptgrund dafür ist der Schutz der ätherischen Öle und natürlichen Zusatzstoffe vor Hitze sowie die kreativen Gestaltungsmöglichkeiten.

Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“ zwischen den beiden Verfahren. Während das traditionelle Kochverfahren für die industrielle Produktion und bestimmte Ölsorten (insbesondere säurehaltige Öle wie Tresteröl) geeignet ist, ist das Kaltverfahren ideal für Hersteller, die auch bei der Produktion in kleinem Maßstab auf den bestmöglichen Erhalt der Qualität der Inhaltsstoffe abzielen.

Literaturverzeichnis

1. Spitz, L. (2016). Soap Manufacturing Technology (2. Aufl.). AOCS Press.

2. Prieto Vidal N, Adigun OA, Pham TH, et al. (2018). The Effects of Cold Saponification on the Unsaponified Fatty Acid Composition and Sensory Perception of Commercial Natural Herbal Soaps. Molecules, 23(9), 2356. PMID: 30223479. doi:10.3390/molecules23092356

3. EU-Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel.

4. Türkische Kosmetikverordnung (Amtsblatt Nr. 25823 vom 25.05.2005).

Relevante Leitfäden

  • Was ist Kaltverseifung (Cold Process)?
  • Was ist Verseifung? Die chemische Reaktion von Öl und Lauge

Lesen Sie den Originalartikel auf Türkisch unter chailea.com →

Oğuz Kağan Dereci

MSc Chemiker · Chailea / ChaiNovi Sanayi Ticaret Ltd. Şti.

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