Aktivierte Holzkohle (engl. activated charcoal / carbon) ist eine Kohlenstoffform, die bei hohen Temperaturen verarbeitet wurde, um eine porenreiche Struktur zu erhalten. Aufgrund ihrer porenreichen Struktur verfügt aktivierte Holzkohle über eine extrem große Oberfläche und wird mit ihrer Adsorptionsfähigkeit (Oberflächenhaftung) seit Tausenden von Jahren in verschiedenen Bereichen verwendet. Dieser Artikel behandelt die Position von aktivierter Holzkohle in der wissenschaftlichen Literatur bezüglich ihrer kosmetischen Anwendung, ihres Sicherheitsprofils und ihrer Rolle bei der Seifenherstellung auf Basis akademischer Quellen.
Dieser Artikel ist keine Produktwerbung. Ziel ist es, einen unabhängigen Überblick über die Position von aktivierter Holzkohle in der wissenschaftlichen Literatur zu bieten. Die Informationen in diesem Artikel enthalten keine Heilungsansprüche.
Geschichte und traditionelle Anwendung
Die Geschichte der Verwendung von aktivierter Holzkohle durch die Menschheit reicht bis zur altägyptischen Zivilisation zurück. Der griechische Historiker Herodot (484 v. Chr. – 425 v. Chr.) dokumentierte die erste bekannte Verwendung von Kohlenstoff. Während die alten Ägypter Kohlenstoff für Brennstoff und Metallverarbeitung nutzten, profitierten die alten Griechen und Römer von Holzkohlenpulver für die Mundhygiene. Um 400 v. Chr. begannen in der Indus-Region ansässige Zivilisationen, Holzkohlenpulver zur Wasserreinigung zu verwenden (Goodman & Goldstein, 2020).
In der modernen Medizin ist aktivierte Holzkohle als Adsorbens bekannt, das bei Vergiftungsfällen als Notfallmaßnahme eingesetzt wird. Sie trat um 2014 intensiv in den Kosmetiksektor ein und gewann besonders in Gesichtsreinigungsprodukten an Popularität.
Physikalische Eigenschaften und Adsorptionsmechanismus
Aktivierte Holzkohle wird durch die Verarbeitung von kohlenstoffreichen Materialien wie Bambus, Kokosnussschalen oder Holz bei hohen Temperaturen (ca. 800-1000°C) hergestellt. Dieser Prozess erzeugt Mikroporen in der Kohlenstoffstruktur und vergrößert die Oberfläche dramatisch.
Oberflächenbereich
Es wird geschätzt, dass die Oberfläche von 1 Gramm aktivierter Holzkohle etwa 3000 Quadratmeter erreichen kann – gleichwertig mit der Oberfläche von 3 olympischen Schwimmbädern. Diese enorme Oberfläche ist die Grundlage der Adsorptionskapazität von aktivierter Holzkohle.
Adsorption vs. Absorption
Das Funktionsprinzip von aktivierter Holzkohle basiert auf Adsorption – anders als bei Absorption nicht das Eindringen einer Substanz in eine andere, sondern das Anhaften an ihrer Oberfläche. Aktivierte Holzkohle ist negativ geladen und zieht positiv geladene Verbindungen (Schmutz, Öl usw.) auf ihre Oberfläche.
Kosmetische Anwendung und wissenschaftliche Bewertung
CIR-Sicherheitsbewertung
Der Cosmetic Ingredient Review (CIR) Rat bewertete in seiner 2023 veröffentlichten Sicherheitsbewertung aktivierte Holzkohle als grundsätzlich sicher für die Verwendung in Kosmetikprodukten. Nach Daten des VCRP (Voluntary Cosmetic Registration Program) wurde Kohlenpulver in 231 kosmetischen Formulierungen und aktivierte Holzkohle in 53 Formulierungen gemeldet; die Mehrzahl wird in auswaschbaren Produkten verwendet (CIR, 2023).
Bewertung von Dermatologen
In einer von Goodman und Goldstein (2020) an der Universität Miami durchgeführten und in der Zeitschrift Clinics in Dermatology veröffentlichten Übersicht wurde festgestellt, dass aktivierte Holzkohle in verschiedenen Produkten der Kosmetikindustrie, einschließlich Gesichtsreiniger und Seifen, verwendet wird. Dieselbe Studie betonte jedoch, dass die klinischen Belege noch begrenzt sind und unzureichende wissenschaftliche Daten über die peelingenden oder Anti-Aging-Effekte von aktivierter Holzkohle vorliegen.
EWG-Sicherheitsprofil
Die Environmental Working Group (EWG) hat aktivierter Holzkohle auf einer Skala von 1-10 eine Bewertung von 1 (niedrigstes Risiko) gegeben. Sie wurde als ein sehr starkes Sicherheitsprofil in Bezug auf Krebsrisiko, Allergien, Reproduktionstoxizität und Verwendungsbeschränkungen bewertet.
Status der klinischen Evidenz
Die Anzahl klinischer Studien über die Auswirkungen von aktivierter Holzkohle auf die Haut in der wissenschaftlichen Literatur ist noch begrenzt. Goodman und Goldstein (2020) berichteten, dass bei einer Suche auf PubMed nur wenige Studien die dermatologische Anwendung von aktivierter Holzkohle direkt untersuchten. Bestehende Studien befassen sich hauptsächlich mit ihrer Verwendung in Wundverbänden zur Geruchskontrolle, zur Verringerung von urämischem Juckreiz und zur Wundinfektion.
Die Ansprüche von Kosmetikunternehmen bezüglich der Porentiefenreinigung, Aknebehandlung und Entgiftung von aktivierter Holzkohle werden noch nicht durch ausreichende klinische Daten gestützt. Aus diesem Grund betonen Dermatologen, dass aktivierte Holzkohle zwar grundsätzlich sicher ist, aber nicht als evidenzbasierte Behandlung für spezifische Hautzustände betrachtet werden sollte.
Sicherheitsprofil und Warnungen
Topische Sicherheit
Der CIR (Cosmetic Ingredient Review) bestimmte 2023, dass aktivierte Holzkohle grundsätzlich sicher für kosmetische Anwendungen ist. Die EWG (Environmental Working Group) vergab eine Bewertung von 1 (niedrigstes Risiko) auf einer Skala von 1-10. Nach verfügbaren Daten wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen von aktivierter Holzkohle bei topischer (äußerlicher) Anwendung gemeldet. In Tests zur Hautsensiblisierung (Sensibilisierung) wurden keine Reaktionen beobachtet.
Empfehlung zur Anwendungshäufigkeit
Die starke Adsorptionskapazität von aktivierter Holzkohle kann bei Übergebrauch natürliche Öle und Feuchtigkeit von der Haut überentfernen, was zu Trockenheit und Irritation führt. Aus diesem Grund wird empfohlen, Produkte mit aktivierter Holzkohle 1-2 Mal pro Woche anstelle von täglich zu verwenden. Bei trockenen und empfindlichen Hauttypen kann diese Häufigkeit weiter reduziert werden.
Warnung zur oralen Anwendung
Aktivierte Holzkohle darf unter keinen Umständen ohne ärztliche Aufsicht oral eingenommen werden. Die orale Einnahme kann zu schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und gastrointestinale Blockade führen. Darüber hinaus kann sie die Absorption oraler Medikamente verhindern. Bei kosmetischer Anwendung ist nur topische (äußerliche) Anwendung relevant.
Aktivierte Holzkohle bei der Seifenherstellung
Aktivierte Holzkohle wird als Farb- und Texturzusatz zu Seifenrezepten hinzugefügt. Bei der Kaltprozess-Seifenherstellung wird aktivierte Holzkohle typischerweise in der Trace-Phase gemischt. Sie verleiht der Seife ihre charakteristische dunkelschwarze Farbe und ein leicht texturiertes (wie ein Peeling wirkendes) Gefühl.
In Seifenrezepten wird aktivierte Holzkohle generell mit einem Anteil von 1-3% der Gesamtöl-Menge verwendet (gemessen in TL/EL). Die Verwendung in höheren Konzentrationen kann die Farbe der Seife zu dunkel machen und kann nach dem Spülen Rückstände im Waschbecken hinterlassen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist aktivierte Holzkohle?
Aktivierte Holzkohle ist eine Kohlenstoffform, die bei hohen Temperaturen verarbeitet wurde, um eine porenreiche Struktur zu erhalten. Aufgrund ihrer enormen Oberfläche zeigt sie Adsorptionseigenschaften (Oberflächenhaftung).
Was macht aktivierte Holzkohle für die Haut?
Dermatologen bemerken, dass aktivierte Holzkohle aufgrund ihres Potenzials, überschüssiges Öl und Schmutz von der Oberfläche zu entfernen, in Reinigungsprodukten verwendet wird. Klinische Belege für spezifische Hauterkrankungen sind jedoch noch begrenzt.
Ist aktivierte Holzkohle sicher?
Der CIR (Cosmetic Ingredient Review) hat festgestellt, dass aktivierte Holzkohle grundsätzlich sicher für kosmetische Anwendungen ist. Die EWG vergab eine Bewertung von 1/10 (niedrigstes Risiko).
Warum wird aktivierte Holzkohle in Seife verwendet?
Bei der Seifenherstellung wird aktivierte Holzkohle als Farb- und Texturzusatz zu Rezepten hinzugefügt. Sie verleiht der Seife ihre charakteristische dunkle Farbe und ein leicht texturiertes Reinigungsgefühl.
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Referenzen
1. Goodman, G. J., & Goldstein, J. A. (2020). Charcoal: An ancient material with a new face. Clinics in Dermatology, 38(3), 290-293. doi:10.1016/j.clindermatol.2019.07.015
2. CIR Expert Panel (2023). Safety Assessment of Charcoal Ingredients as Used in Cosmetics. Cosmetic Ingredient Review.
3. Sajjad, M., et al. (2021). Cosmetic uses of activated charcoal. International Journal of Community Medicine and Public Health.
4. Baumann, L. (2022). Baumann's Cosmetic Dermatology, Ed 3. McGraw Hill.
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