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Was ist Kaltverseifung? Ein Leitfaden zur Seifenherstellung nach dem Kaltverfahren

Kurz gesagt: Das Kaltverfahren (Cold Process) ist eine traditionelle Herstellungstechnik, bei der die Seifenöle bei Temperaturen nahe der Raumtemperatur mit Natriumhydroxid vermischt werden. Im Gegensatz zum Kochverfahren bleiben die natürlichen Vorzüge der Öle und das Glycerin erhalten. Alle festen Seifen von „Chailea“ werden nach diesem Verfahren hergestellt und mindestens 45 Tage lang reifen gelassen.

Kaltgepresste Seife (Cold-Process-Seife), ist eine handgefertigte Seifenart, bei der pflanzliche Öle bei niedrigen Temperaturen (30–50 °C) mit Natriumhydroxid (NaOH) vermischt werden und die Verseifungsreaktion in der Form abgeschlossen wird. Im Gegensatz zur industriellen Seifenherstellung verbleibt bei der Kaltverseifung das Glycerin in der Seifenmasse, ätherische Öle bleiben dank der niedrigen Temperatur besser erhalten und jede Rezeptur ergibt eine einzigartige Zusammensetzung. Dieser Artikel befasst sich damit, was Cold-Process-Seife ist, worin der Unterschied zu traditioneller und industriell hergestellter Seife besteht, wie der Herstellungsprozess abläuft und welchen Platz sie in der türkischen Seifenherstellungstradition einnimmt.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er enthält keine Heilversprechen.

Was ist Cold-Process-Seife?

Der Begriff „Cold Process“ (Kaltverfahren) bezeichnet die Durchführung der Verseifungsreaktion ohne – oder mit nur minimaler – Zufuhr von Wärme von außen. Öle und NaOH-Lösung werden in der Regel bei Temperaturen zwischen 30 und 50 °C miteinander vermischt; die exotherme Wärme der Reaktion (die bei der Reaktion von NaOH mit Wasser freigesetzte Wärme) löst die Verseifung aus. Die Seifenmasse wird in Formen gegossen, und die Verseifung vollzieht sich größtenteils in der Form und wird anschließend während eines 4–6-wöchigen Reifungsprozesses abgeschlossen.

„Cold press“ oder „cold process“?

Im Türkischen wird häufig der Begriff „Cold-Press-Seife“ verwendet, doch der technisch korrekte Begriff lautet „Cold Process“ (Kaltverfahren). „Cold press“ (Kaltpressung) ist eigentlich ein Verfahren zur Ölgewinnung – wie beispielsweise die Kaltpressung von Oliven- oder Haselnussöl. „Cold process“ hingegen ist ein Verfahren zur Seifenherstellung. Diese terminologische Verwirrung ist nicht auf die Türkei beschränkt; sie tritt auch in der internationalen Seifenhersteller-Community gelegentlich auf.

Cold Process vs. industrielle Seife: die wichtigsten Unterschiede

Glycerin: der entscheidende Unterschied

Während der Verseifungsreaktion (Saponifikation) entsteht auf natürliche Weise Glycerin – aus etwa 100 Gramm Fett entstehen 10–14 Gramm Glycerin. Bei der industriellen Seifenherstellung wird dieses Glycerin in der Regel durch das „Salting-out“-Verfahren (Aussalzen) abgetrennt und zu einem höheren Preis an die Kosmetik-, Pharma- und Lebensmittelindustrie verkauft. Bei Cold-Process-Seifen hingegen verbleibt das Glycerin in der Seifenmasse. Glycerin ist ein natürlicher Feuchthaltestoff (Humektant) und unterstützt den Feuchtigkeitshaushalt der Haut – dies ist der Hauptgrund dafür, dass sich Cold-Process-Seifen „feuchtigkeitsspendender“ anfühlen.

Temperatur und Erhalt der Inhaltsstoffe

Kaltverseifte Seife wird bei 30–50 °C hergestellt; der industrielle kontinuierliche Prozess läuft bei Temperaturen von über 200 °C ab. Die niedrige Temperatur schützt die flüchtigen Bestandteile der ätherischen Öle, die natürlichen Antioxidantien (Tocopherole, Polyphenole) und die empfindlichen bioaktiven Inhaltsstoffe besser.

Rezeptur-Einzigartigkeit vs. Standardisierung

Bei der Kaltverseifung ist jede Rezeptur einzigartig – unterschiedliche Ölkombinationen, ätherische Ölmischungen und Zusatzstoffe sorgen für unendliche Vielfalt. In der industriellen Produktion hingegen stehen Kostenoptimierung und Standardisierung im Vordergrund; die Herstellung erfolgt in der Regel mit einer begrenzten Anzahl von Ölen (Palmöl, Palmkernöl).

Der Herstellungsprozess von Kaltverseifungsseife

1. Rezepturentwicklung und Laugenberechnung

Jede Seifenrezeptur wird anhand der SAP-Werte (Verseifungswerte) der verwendeten Öle berechnet. Die für die Verseifung jedes Öls erforderliche NaOH-Menge ist unterschiedlich. Laugenrechner (wie SoapCalc oder Bramble Berry Calculator) automatisieren diese Berechnung. Der „Superfat“-Anteil – in der Regel 5–8 % – ist die bewusst in der Rezeptur übermäßig belassene Menge an nicht verseiftem Öl und sorgt für eine feuchtigkeitsspendende Wirkung auf der Haut.

2. Vorbereitung der Öle und der Lauge

Feste Öle (Kokos-, Palm- und Kakaobutter) werden geschmolzen; flüssige Öle (Olivenöl, Haselnussöl) werden hinzugefügt. NaOH wird in destilliertem Wasser oder einer alternativen Flüssigkeit (Ziegenmilch, Aloe-Vera-Gel) gelöst – in dieser Phase kann die Temperatur der exothermen Reaktion 80 °C überschreiten.

3. Trace und Formung

„Trace“ (Spur) ist der Zeitpunkt, an dem die Seifenmasse eine puddingartige Konsistenz erreicht und ein auf die Oberfläche getropfter Tropfen eine Spur hinterlässt – dies zeigt an, dass die Emulgierung stattgefunden hat. In der Trace-Phase werden ätherische Öle, Farbstoffe und Zusatzstoffe (Aktivkohle, Bentonit-Ton, Schwefel usw.) hinzugefügt. Die Masse wird in Formen gegossen und durchläuft 24–48 Stunden lang die „Gelphase“ – in dieser Phase ist die Verseifung weitgehend abgeschlossen.

4. Reifung (Curing): 4–6 Wochen

Die aus der Form entnommenen Seifenstücke reifen 4–6 Wochen lang in einer gut belüfteten, kühlen und trockenen Umgebung. In dieser Zeit wird die verbleibende Verseifung abgeschlossen, überschüssiges Wasser verdunstet (die Seife härtet aus), die Kristallstruktur reift aus und der pH-Wert stabilisiert sich. Die Reifezeit ist ein entscheidender Faktor für die Seifenqualität – eine unzureichende Reifezeit führt zu weicher, schnell schmelzender Seife, die möglicherweise Hautreizungen verursachen kann.

Das Kaltverfahren und die türkische Seifenherstellungstradition

Die Türkei nimmt in der Geschichte der Seifenherstellung einen wichtigen Platz ein. Die Ausbreitung der Aleppo-Seifentradition nach Anatolien hat insbesondere in Antakya und im Südosten Anatoliens eine tief verwurzelte Seifenkultur geschaffen. Lokale Traditionen wie die Siirt-Bittim-Seife, die Kastamonu-Seife und die Thrakische Lorbeer-Seife repräsentieren verschiedene Varianten der Heißverfahren-Seifenherstellung (Hot Process). Moderne türkische Naturseifenhersteller verbinden dieses traditionelle Erbe mit den Prinzipien der wissenschaftlichen Seifenherstellung – das „Cold Process“-Verfahren ist dabei die am häufigsten verwendete Technik.

Vorteile und Einschränkungen der Kaltverseifung

Vorteile

Die wichtigsten Vorteile der Kaltverseifung: natürlicher Glycerin-Gehalt (Feuchtigkeitsspender – feuchtigkeitsbindende Wirkung), Herstellung bei niedrigen Temperaturen (ätherische Öle und empfindliche Inhaltsstoffe bleiben erhalten), unendliche Rezeptvielfalt (verschiedene Ölkombinationen, ätherische Ölmischungen, natürliche Farbstoffe), kein Bedarf an synthetischen Tensiden und Konservierungsstoffen (ein hoher pH-Wert hemmt auf natürliche Weise das Mikrobenwachstum), Nachhaltigkeitspotenzial (minimaler Energieverbrauch, biologisch abbaubar) und handwerklicher Wert (jedes Stück ist ein Unikat – im Gegensatz zur industriellen Standardisierung).

Einschränkungen

Auch die Kaltverseifung hat ihre Einschränkungen: Sie erfordert eine Reifezeit von 4–6 Wochen (die Seife ist nicht sofort verwendbar), jede Charge kann leicht variieren (eine vollständige Standardisierung ist schwierig), der alkalische pH-Wert lässt sich nicht verändern (alle echten Seifen haben einen pH-Wert von 9–10), die Haltbarkeit kann im Vergleich zu industriellen Produkten begrenzt sein (enthält keine Konservierungsstoffe, was jedoch durch die niedrige Wasseraktivität ausgeglichen wird), die Herstellung erfordert Wissen und Fachkenntnisse (Laugenberechnung, Trace-Management, Sicherheit) und die Kosten sind im Vergleich zur industriellen Produktion hoch (Handarbeit, pflanzliche Öle, Reifungszeit).

Überfettung (Superfat): Das Geheimnis der Feuchtigkeitsversorgung bei der Kaltverseifung

Eines der wichtigsten technischen Konzepte der Kaltverseifung ist der „Superfat“-Anteil (Überfettung). In der Rezeptur wird die NaOH-Menge bewusst um 5–8 % geringer berechnet, als zur vollständigen Verseifung aller Fette erforderlich wäre. Dadurch verbleiben in der Seife unverseifte freie Fette – diese Fette sorgen auf der Haut für eine feuchtigkeitsspendende und weichmachende Wirkung. Der Überfettungsgrad ist der wichtigste Feuchtigkeitsparameter, den der Seifenhersteller beeinflussen kann. Ein sehr niedriger Überfettungsgrad (0–2 %) führt zu harter und austrocknender Seife; ein sehr hoher Überfettungsgrad (10 %+) hingegen zu weicher, leicht schmelzender Seife, die das Risiko von DOS (orangefarbene Flecken) erhöht.

Häufig gestellte Fragen

Sind „Cold-Press“-Seife und „Cold-Process“-Seife dasselbe?

Auch wenn im Türkischen der Begriff „Cold-Press-Seife“ weit verbreitet ist, lautet der technisch korrekte Begriff „Cold-Process“ (Kaltverfahren). „Cold-Press“ bezeichnet ein Verfahren zur Ölgewinnung; „Cold-Process“ hingegen ein Verfahren zur Seifenherstellung.

Warum muss man bei Cold-Process-Seife 4–6 Wochen warten?

Während der Reifezeit wird die Seifenbildung abgeschlossen, überschüssiges Wasser verdunstet, die Kristallstruktur reift aus und der pH-Wert stabilisiert sich. Eine unzureichende Reifezeit führt zu weicher und potenziell reizender Seife.

Enthält Cold-Process-Seife Glycerin?

Ja – Glycerin, ein natürliches Nebenprodukt der Verseifung, verbleibt in Cold-Process-Seifen in der Zusammensetzung. Bei der industriellen Herstellung wird es hingegen in der Regel abgetrennt.

Welchen pH-Wert hat Cold-Process-Seife?

Alle echten Seifen haben einen alkalischen pH-Wert – in der Regel zwischen pH 9 und 10. Dies ist eine natürliche Folge der Verseifungsreaktion. Gesunde Haut gleicht diesen vorübergehenden Anstieg des pH-Werts innerhalb kurzer Zeit wieder aus.

Literaturverzeichnis

1. Spitz, L. (2009). Soap Manufacturing Technology. AOCS Press.

2. Cavitch, S. M. (1997). The Natural Soap Book. Storey Publishing.

3. Dunn, K. M. (2010). Wissenschaftliche Seifenherstellung. Clavicula Press.

4. EU-Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel.


Lesen Sie den Originalartikel auf Türkisch unter chailea.com →

Oğuz Kağan Dereci

MSc Chemiker · Chailea / ChaiNovi Sanayi Ticaret Ltd. Şti.

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